Elektromobilität in Norwegen – was Deutschland vom europäischen Vorreiter lernen kann.

Warum E-Autos in dem skandinavischen Land so populär sind.

Atlantic Ocean Road in Norwegen
  • 25.05.2023
  • ca. 3 Minuten

Mekka der Elektromobilität: Norwegen hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung erfahren. Dank staatlicher Förderung, eines steigenden Bewusstseins für den Klimaschutz und der vorteilhaften geografischen Lage wurde das Land zu einem Vorreiter in Sachen Elektromobilität. Wie Norwegen sich an die Spitze der Mobilitätswende setzen konnte und was wir in Deutschland davon lernen können, lesen Sie hier.


Neuzulassungen E-Autos: Norwegen wird zum Mekka der Elektromobilität.

Vorfahrt für Elektromobilität! Bereits 2020 hatte Norwegen erstmals mehr Neuwagenzulassungen von Elektrofahrzeugen im Vergleich zu Benzin- oder Dieselautos zu verzeichnen. Die Anzahl der elektrifizierten Neuzulassungen katapultiert das skandinavische Land weltweit auf Platz 6 hinter China, Deutschland, USA, Frankreich und dem Vereinigten Königreich1 (Originalquelle: VDA). Das ist beeindruckend, wenn man bedenkt, dass Norwegen mit nur knapp 5,5 Millionen Einwohnern deutlich hinter den Bevölkerungszahlen der anderen Bestplatzierten rangiert. 2022 lag der Anteil der Neuzulassungen von emissionsfreien Autos sogar bei 79,3 Prozent. Im Vergleich blieb Deutschland mit 17,7 Prozent hier deutlich zurück.

Wie hat es Norwegen geschafft, so schnell zum Top-Player der Elektromobilität zu werden?


Staatliche Fördermittel für E-Fahrzeuge: Anreiz zum Umstieg.

Um den Kauf von Elektrofahrzeugen früh zu fördern und voranzutreiben, hat die norwegische Regierung kontinuierlich neue Anreize gesetzt. So waren bis Ende 2022 Elektrofahrzeuge von der 25-prozentigen Mehrwertsteuer bei der Anschaffung und von Zulassungsgebühren befreit. Angekündigte Änderungen dieser Privilegien zum 01.01.2023 führten zusätzlich noch einmal zu einem Verkaufs-Boom im Dezember 2022. Seit Beginn 2023 müssen E-Auto-Käufer nun bei einem Kaufpreis von umgerechnet 46.700 Euro die Mehrwertsteuer von 25 Prozent zahlen. Ein Elektrofahrzeug der Oberklasse bewegte sich bis dato in Norwegen noch preislich im Umfeld eines Mittelklasse-Verbrenners. Allein dieser Fakt machte den Kauf eines Elektroautos für Norweger attraktiv.

Die Regierung bietet norwegischen Stromer-Fans aber noch weitere Vorteile: Sie sind zum Großteil von Straßen- oder Tunnelmauten befreit, profitieren von vergünstigten Parkgebühren und der Erlaubnis, freie Busspuren zu nutzen.

Die norwegische Regierung motiviert nicht nur Privathalter oder Firmenflotten, auf Elektrofahrzeuge umzusteigen. Auch der Einsatz von Elektrofahrzeugen im öffentlichen Verkehr wird staatlich subventioniert.

Grundsätzlich muss aber auch angemerkt werden, dass die norwegischen Steuervorteile erhebliche Löcher in den Staatshaushalt gerissen haben, weshalb seit dem 01.01.2023 die staatliche Incentivierung deutlich heruntergefahren wurde. Neben der 25-prozentigen Mehrwertsteuer, fällt mittlerweile eine zusätzliche Steuer von 12,5 Kronen pro Kilogramm (1,17 Euro) über 500 Kilo Fahrzeuggewicht an, wodurch Elektroautos im Schnitt 19.000 Kronen (1.780 Euro) teurer werden.

Das Erreichen hoher Zulassungszahlen von Elektrofahrzeugen und dem stark gesunkenen Marktanteil von Verbrennungsmotoren lassen jedoch deutlich erahnen, wie effizient finanzielle Anreize sein können, wenn es darum geht einen schnellen Mobilitätswandel herbeizuführen.


An der Quelle: Wasserkraft für E-Mobility.

Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor für den Aufstieg der E-Mobilität ist Norwegens reiches Angebot an alternativen Energiequellen. Norwegen produziert fast 100 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien wie Wasserkraft.  Das ebnet der Mobilitätswende den Weg: Das skandinavische Land betreibt die landesweite Elektrofahrzeugflotte nahezu klimaneutral.

Deutschland hinkt hier naturgemäß weit hinterher, und wird auf andere erneuerbare Energien setzen müssen.


Ladeinfrastruktur: flächendeckende Elektrifizierung.

Unabdingbar für den Erfolg der Elektromobilität ist die Ladeinfrastruktur. Norwegen hat ein flächendeckendes Netz von Ladestationen für Elektrofahrzeuge aufgebaut. Landesweit besitzt Norwegen aktuell mehr als 24.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Ob im dichtbesiedelten Oslo (ca. 3.600 Ladepunkte) oder in der nördlichsten Provinz Troms og Finnmark, wo gerade einmal 3,2 Einwohner pro Quadratkilometer leben (ca. 550 Ladepunkte), überall im Land können die Einwohner öffentlich zugängliche Ladepunkte finden.2

Die größte Relevanz jedoch sieht die Regierung in dem Ausbau von Schnellladegeräten, um ein effektives, zeitsparendes Laden zu gewährleisten. Nach aktuellem Stand gibt es in Norwegen davon rund 4.000 Stück. Unter anderem stehen für den Ausbau von Schnellladestationen immer wieder staatliche Förderprogramme zur Verfügung. Dies hat dazu geführt, dass selbst in Gebieten mit geringer Bevölkerungsdichte und wenig Verkehr Schnellladestationen zur Verfügung stehen.3 Da jedoch auch in Norwegen der Bedarf an Schnellladestationen weiter steigt (bis 2025 soll der Bedarf auf 9.000 ansteigen) gilt es auch dort den Ausbau kontinuierlich voranzutreiben.

Bei einer Einwohnerzahl von 5,5 Millionen Menschen kommen auf 100.000 Einwohner mehr als 436 öffentlich zugängliche Ladestationen.  Sogar der dünn besiedelte Norden zeigt am Beispiel Troms og Finnmark, dass der Ausbau von Ladepunkten in diesem skandinavischen Land bereits stark vorangeschritten ist.


Was kann Deutschland von Norwegen lernen?

  1. Finanzielle Anreize wie Steuerersparnisse oder der Erlass von Gebühren sind wirksam. Es ist wichtig, sie ausreichend groß ausfallen zu lassen, damit sie bei den Konsumenten ankommen und angenommen werden. Gleichzeitig sollte mit Bedacht vorgegangen werden. Wichtig ist dabei stets zu berücksichtigen, dass sich finanzielle Anreize stark auf die Staatskasse ausüben und nicht endlos aufrechterhalten werden können.
  2. Die Elektrifizierung wird im ganzen Land in vielen Bereichen und nicht nur im Verkehr vorangetrieben. Das beeinflusst das Bewusstsein der Bevölkerung und mindert Vorurteile oder Hürden beim Umstieg auf Elektrofahrzeuge.
  3. Die Ladeinfrastruktur ist entscheidend. Nur ein flächendeckendes Netz an öffentlich zugänglichen Ladestationen unterstützt die Mobilitätswende. Auch die Verbreitung von Schnellladern (mit einer Leistung von mehr als 11 kW) wirkt sich positiv auf die Zulassungszahlen in Norwegen aus. Gerade im ländlichen Raum ist in Deutschland Luft nach oben.
  4. Mundpropaganda zahlt sich aus: 66 Prozent der Norweger gaben in einer Umfrage an, einen Bekannten, Kollegen, Nachbarn oder ein Familienmitglied zum erstmaligen Kauf eines E-Autos angeregt zu haben4. „Anschauung aus erster Hand“ ist der wohl wichtigste Treiber für Kaufentscheidungen. Gerade in Punkto Wintertauglichkeit und Reichweitenangst können Erfahrungsberichte von nahestehenden Personen letzte Zweifel aus dem Weg räumen.

In Sachen Elektromobilität hat Norwegen eine deutliche Vorreiterrolle eingenommen und viele wichtige Erfahrungen gesammelt, von denen andere Länder lernen können. Es bleibt abzuwarten, ob Deutschland sich ein Beispiel daran nimmt, um zukünftig ebenfalls eine führende Rolle im Bereich der Mobilität einzunehmen und den Anforderungen an Nachhaltigkeit und Klimaschutz gerecht zu werden – mit einem konsequenten Umstieg auf elektrische Antriebsmodelle.

Quellen:
1 Elektromobilität weltweit | Statista
2 E-Boom in Norwegen: Am Anfang steht der Lader| Handelskammer.blog
3 siehe 2
4 E-Autos in Norwegen: Diese Fehler sollten die Deutschen nicht nachmachen | WiWo


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